Als eine der global vernetztesten Industrien stellen zukünftig EU-weite Lieferkettengesetze die Heimtextilbranche vor große Herausforderungen und ermöglichen gleichzeitig Marktchancen. Mit 2400 Ausstellern, einem ausstellerseitigen Internationalitätsgrad von 94 Prozent und Teilnehmern aus über 120 Ländern ist die Heimtextil 2023 die globale Bühne, auf der textile Nachhaltigkeit ganzheitlich abgebildet wird – mit Produkten und Neuheiten, die zeigen, dass skalierbare und nachhaltige Innovationen kein Widerspruch sind. „Die Heimtextil ist in diesem Jahr der Ort, an dem Lieferketten neu gedacht, zirkuläre Ansätze erlebbar und grüne Innovationen verdichtet werden. Das zeigt: Fachmessen sind ein Geschäftsmodell mit Impact. Für globale Partnerschaften und für die Umwelt“, verdeutlichte Detlef Braun, Geschäftsführer der Messe Frankfurt, in seiner Eröffnungsrede.

Anregender Panel-Talk

Die Heimtextil startete mit einem Panel-Talk zu Nachhaltigkeitstransformation: Wie müssen Hersteller der Wohn- und Heimtextilbranche mit Blick auf gesetzlich vorgeschriebene Reporting-Standards ihre Lieferketten neu denken? Wie wird Transparenz zum Wettbewerbsvorteil? Und wie wird Nachhaltigkeit bereits zu Beginn des Produktdesigns mitgedacht? Vielfältige Ansätze und Ideen zur Nachhaltigkeitstransformation standen im Mittelpunkt der Eröffnungspressekonferenz am ersten Tag der Heimtextil 2023.

Die Panel-Teilnehmer Caroline Till (links) Director und Co-Founder FranklinTill Studio, Prof. Dr. Anabel Ternès von Hattburg (2. von rechts), Zukunftsforscherin und geschäftsführende Direktorin des Internationalen Instituts für Nachhaltigkeitsmanagement, und Olaf Schmidt, Vice President Textiles & Textile Technologies der Messe Frankfurt, diskutierten unter der Moderation von Alexandra Bohn (2. von links) Style Content Director der F.A.Z. Quarterly, die Transformation hin zu Nachhaltigkeit aus mehreren Perspektiven. (Foto: Messe Frankfurt Exhibition GmbH: Pietro Sutera)

Heimtextil 2023: Nachhaltigkeit ganzheitlich erleben

Sind ganze Kollektionen bereits umweltverträglich produziert? Schließt die Nachhaltigkeitsstrategie auch soziale Verantwortung ein? Die einstündigen Green Tours gaben Antworten auf diese Fragestellungen und ermöglichten intensiven Austausch zwischen Besuchern und Ausstellern – geleitet durch den unabhängigen Nachhaltigkeitsexperten Bernd Müller von Consulting Service International Ltd. Auch der Austausch mit Zertifizierern im Green Village ermöglichte Einkäufern, Nachhaltigkeit allumfassend zu denken. Textilzertifikate garantieren neben Herkunft und Qualitätsniveau auch den Nachweis, dass ein Produkt soziale und ökologische Standards erfüllt. Ab 2023 umfasst das Green Village zudem Unternehmen, die ganzheitlich nachhaltig handeln.

Aussteller der Heimtextil setzen zudem zunehmend auf Transformationsstrategien, die mehrere Sustainable Development Goals berücksichtigen. Dazu gehören innovative nachhaltige Produktdesigns – von Fasern aus PET über Leinen in Kombination mit anderen Naturfasern wie Hanf bis hin zu Bettwäsche aus mit Kork beschichteter Baumwolle. Aber auch Photovoltaikanlagen zur Deckung des Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen sind Beispiele – oder Filtersysteme, die durch Textilveredelung entstehende Abwässer wiederverwerten.

„Langfristige Zusammenarbeit mit vertrauenswürdigen Lieferanten sind wichtige Sparringspartner auf dem Weg zur Transformation. Denn Nachhaltigkeit kann nur in enger Zusammenarbeit erreicht werden. Deswegen stellen wir die Sustainable Development Goals gemeinsam mit dem United Nations Office for Partnerships und dem Conscious Fashion and Lifestyle Network in den Mittelpunkt unserer weltweiten Textilmessen. Unser Texpertise Network gibt hierbei gezielte Impulse und fördert als globales Netzwerk neue Partnerschaften“, so Olaf Schmidt.

Designprozess als Grundstein für Kreislaufwirtschaft

Die Heimtextil Trends 2023 „Textiles Matter“ von FranklinTill machten vier Wege der Kreislaufwirtschaft erlebbar und gaben dem Markt Impulse für eine nachhaltige Entwicklung. Caroline Till, Mitglied des Trend Heimtextil Council, zeigte im Panel-Talk auf, wie bei der Produktentwicklung der Grundstein für Kreislaufwirtschaft gelegt wird. Dies erfordere bewusste Entscheidungen am Anfang des Designprozesses und die Betrachtung von Abfall als Ressource. Auch betonte sie die Wichtigkeit von Kooperationen zwischen Expert*innen und ein offenes Ohr für unterschiedliche Disziplinen – von jungen Designer*innen bis hin zu Materialingenieur*innen.

„Den gesamten textilen Lebenszyklus verstehen. Zu Beginn des Designprozesses an das nächste Leben denken. Auf Kreislaufwirtschaft umstellen: Zu verstehen, woher die Materialien kommen, wie sie verarbeitet werden und wohin sie am Ende gehen, hat einen großen Einfluss auf die Umwelt. Durch Textiles Matter verstehen Einkäufer und Hersteller Kreislaufwirtschaft und finden ihren eigenen Weg in die Zirkularität“, so Till.

Transformation durch gesamtsystemisches Denken

Wie initiiert man Transformation innerhalb eines Unternehmens? Wie reißt man Mitarbeitende mit und welche Rolle spielen dabei neue Kompetenzen? Prof. Dr. Anabel Ternès von Hattburg machte im Panel-Talk die Relevanz gesamtsystemischen Denkens, digitaler Souveränität und der Aneignung von Future Skills deutlich. Die Zukunftsforscherin verdeutlichte, welche Rolle Selbstwirksamkeit und bottom-up-Ansätze bei der Einbindung von Mitarbeitenden spielen.

„Es ist Zeit, nicht nur Narrative zu ändern, sondern Mindsets. Durch gesamtsystemisches Denken, ein Handeln aus der Sicht einer enkeltauglichen Welt heraus und die Aneignung von Future Skills. Das verlangt neue Bewertungskriterien und vor allem ein neues Leadership, das bei jedem selbst anfängt“, so Ternès.

Highlights der Heimtextil 2023 auf einen Blick

Die Heimtextil 2023 startete erneut mit internationaler Stärke durch und deckte das gesamte Angebot an Wohn- und Objekttextilien ab: vom Coupongeschäft über Einzelhandelsmengen bis hin zu großvolumigen Aufträgen.

Einkäufer – darunter Einzel- und Großhändler, Einrichtungshäuser, Raumausstatter, Designer, Architekten oder Hotelentscheider – konnten an vier Messetagen neue Geschäftskontakte finden, gemeinsam mit Anbietern Lieferketten neu definieren und gebündelt einen ganzheitlichen Marktüberblick über textile Trends erleben.

Die internationale Leitmesse für Heim- und Objekttextilien reagierte in 2023 noch stärker auf die steigende Nachfrage im Bereich Fasern und Garne, indem sie erstmals einen eigenen Bereich anbot – darunter auch neue Anbieter, die das globale Angebot an Möbel- und Dekostoffen sowie Leder und Kunstleder erweitern.

Zudem deckte die Heimtextil mit dem Fachprogramm „Interior.Architecture.Hospitality“, das sich an Innenarchitekten, Architekten, Planer und Einrichter richtet, erneut ein großes Angebot an funktionalen Objekttextilien ab, die etwa wasserabweisend, schwer entflammbar, recycelbar, antimikrobiell oder thermoregulierend sind.

Heimtextil Trends

Ein besonderes Highlight sind die diesjährigen Heimtextil Trends zu einem Thema, das aktueller nicht sein könnte: Unter dem Motto “Textiles Matter” konnten Besucher entscheidende Ansätze für Kreislaufwirtschaft erleben. Die Konstruktion der gesamten Trendfläche basierte auf dem Material Manifesto der Heimtextil: Nur lokale, umweltfreundliche oder geliehene Materialien wurden für die Standgestaltung verwendet.

Weitere Informationen:  heimtextil.messefrankfurt.com