Der Verband innenliegender Sicht- und Sonnenschutz (ViS) traf sich Ende September zu seiner Jahrestagung 2026 in Jena. Trotz angespannter wirtschaftlicher Lage beurteilt die Mehrheit der Mitglieder ihre Lage als positiv. Die Unternehmen fordern vor allem Entlastung und Planungssicherheit.
Mehr als 90 Teilnehmer kamen zum Auftakt im Zeiss-Planetarium zusammen. Im Mittelpunkt der anschließenden Mitgliederversammlung standen neben aktuellen Verbandsprojekten vor allem die wirtschaftliche Entwicklung und die Situation der Branche. Fachimpulse zu Recht, Technik und Kreislaufwirtschaft sowie eine Keynote der Zukunftsforscherin Oona Horx Strathern ergänzten das Programm. Vorgestellt wurde unter anderem ReFiberHub, eine neue Datenbank des Kompetenz-Zentrums Textil + Sonnenschutz, die Unternehmen mit Anbietern von Recyclingtechnologien und -materialien vernetzen soll.

Etwa 90 Mitglieder kamen Ende September zur ViS-Tagung nach Jena.

Der Vorstand des ViS: Andreas Kopetschny (MHZ), Ingo Fahl (Ifasol), Martin Auerbach (Geschäftsführer ViS), Ulf Kattelmann (Kadeco). Heiko Ziffer (Teba) wurde nach jahrelangem Engagement für die Branche verabschiedet.
Konjunktur stabilisiert sich leicht
Gesamtwirtschaftlich erkennt der Verband erste Anzeichen einer Stabilisierung. Der ifo-Geschäftsklimaindex stieg im August 2026 auf 88,8 Punkte und damit um 2,1 Punkte gegenüber Juli. Auch das Bruttoinlandsprodukt legte im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,3 Prozent zu. Die Entwicklung unterscheidet sich allerdings deutlich nach Branchen. Während sich die Erwartungen im Baugewerbe verbesserten, bleibt die aktuelle Lage zurückhaltend. Hohe Energiekosten, geopolitische Spannungen und Unsicherheiten im internationalen Handel belasten weiterhin die Investitionsbereitschaft.
Sonnenschutzmarkt bleibt angespannt
Im innenliegenden Sicht- und Sonnenschutz ist von der konjunkturellen Aufhellung bislang wenig zu spüren. Der Umsatz mit maßkonfektionierten Produkten sank im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 7,4 Prozent. Besonders deutlich verloren Rollos mit minus 19,5 Prozent und Doppelrollos mit minus 16,7 Prozent. Flächenvorhänge gaben um 11,9 Prozent nach, Insektenschutz um 8,3 Prozent und Plissees um 5,0 Prozent. Vergleichsweise stabil entwickelten sich Wabenplissees mit minus 2,2 Prozent. Als einzige Produktgruppe verzeichneten Raff- und Faltrollos mit 13,1 Prozent ein deutliches Umsatzplus.
Beim Absatz fiel der Rückgang mit insgesamt 1,3 Prozent geringer aus. Auch hier zeigen sich jedoch große Unterschiede: Die Stückzahlen von Rollos sanken um 20,8 Prozent, Doppelrollos verloren 19,7 Prozent und horizontale Jalousien 11,2 Prozent. Gegen den Trend legte der Insektenschutz beim Absatz um 10,3 Prozent zu.
Bei den Marktanteilen gab es kaum Verschiebungen. Plissees bleiben mit knapp 37 Prozent Umsatzanteil die größte Produktgruppe, verloren jedoch 0,75 Prozentpunkte. Wabenplissees gewannen 1,1 Prozentpunkte hinzu. Der Insektenschutz behauptet sich als zweitgrößtes Segment, gab gegenüber dem Vorjahr aber 0,7 Prozentpunkte ab.

Unternehmen spüren steigende Kosten
Die ViS-Jahresumfrage unter 31 Mitgliedsunternehmen zeichnet ein differenziertes Stimmungsbild. 61,3 Prozent bewerten ihre aktuelle Umsatzsituation als gut oder eher gut, 39 Prozent als schlecht oder eher schlecht. Ähnlich sieht es bei der Beschäftigung aus: 58 Prozent beurteilen die Lage positiv, 42 Prozent negativ. Die Teilnehmer stammen überwiegend aus kleinen und mittleren Unternehmen; 60 Prozent sind Hersteller, 40 Prozent Lieferanten von Bauteilen, Materialien oder Systemen.

Bewertung der aktuellen Umsatzlage (ViS-Jahresumfrage 2026)
Als mit Abstand größte Herausforderung nennen 87 Prozent steigende Kosten. Das verhaltene Konsumverhalten folgt mit 61 Prozent. Bürokratie und Vorschriften sowie der Arbeitskräftemangel werden von jeweils 45 Prozent genannt, Schwierigkeiten bei der Rohstoffbeschaffung von 39 Prozent. Die Unsicherheit schlägt sich auch in den Investitionsentscheidungen nieder: 48 Prozent wollen ihre geplanten Investitionen im kommenden Geschäftsjahr unverändert umsetzen. 45 Prozent wollen vorsichtiger investieren, weitere 6,5 Prozent Vorhaben voraussichtlich zurückstellen.
Forderung nach verlässlichen Rahmenbedingungen
Von der Politik erwarten die Unternehmen vor allem Entlastung und Planungssicherheit. In den offenen Antworten der Umfrage kristallisierten sich fünf Handlungsfelder heraus: Bürokratieabbau, geringere Energie-, Steuer- und Sozialversicherungskosten, stärkere Impulse für Wohnungsbau und Renovierung, mehr Planungssicherheit sowie bessere Bedingungen für Investitionen und Arbeitsmarkt.

Aktuell größte Herausforderungen der Branche (ViS-Jahresumfrage 2026, Mehrfachantworten möglich)
Insgesamt sieht der ViS die Branche weiterhin unter erheblichem Anpassungsdruck. Zwar bewertet eine Mehrheit der befragten Unternehmen die eigene Umsatz- und Beschäftigungssituation positiv, gleichzeitig belasten Kostensteigerungen, Konsumzurückhaltung und regulatorische Anforderungen die Entwicklung. Neue Impulse für Bau, Renovierung und Konsum sowie verlässlichere wirtschaftliche Rahmenbedingungen könnten nach Einschätzung der Unternehmen dazu beitragen, die Investitionsbereitschaft wieder zu stärken. Die nächste ViS-Jahrestagung ist für den 23. und 24. September 2027 geplant.
