Nachhaltigkeit ist für das Handwerk kein Trend, sondern ein gewachsener Bestandteil seiner Identität. Im aktuellen Transformationsprozess ist das Handwerk der entscheidende Motor, gesteckte Ziele zu erreichen.

Die Nachhaltigkeit sieht man einem Bodenbelag nicht an, sie muss aber belegbar sein. (Foto: Forbo Flooring)
Die Kernbotschaft des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) „Ohne Handwerk geht es nicht!“ war nie aktueller als in der heutigen Zeit. Nicht nur, dass die KI kein Sofa polstern kann, auch die Umsetzung der ehrgeizigen Ziele, den CO₂-Fußabdruck des Landes zu senken, ist ohne das Handwerk nicht möglich. Klar ist aber auch, dass das Handwerk allein das Klima nicht retten kann und dass Bedenkenträger weniger erreichen als Optimisten. Aber wer im nachhaltigen Handel nicht nur Hürden, sondern auch Chancen sieht, kann davon profitieren. Bezeichnend hierfür sind die Ergebnisse der aktuellen USP-Marketing-Consultancy-Studie: Demnach würden drei von vier Bauherren nachhaltige Lösungen anfragen, doch nur in jedem fünften Bauprojekt werden sie danach auch tatsächlich übernommen. Die restlichen Auftraggeber lassen ihre Ambitionen fallen, sobald der Kostenplan präsentiert wird. Als Hauptgrund dafür sehen die Marktforscher von BauInfoConsult die übliche Marketing- und Verkaufs-Herangehensweise, nachhaltiges Bauen als Extra-Option anzubieten. Das Labeling von nachhaltigen Lösungen als Upgrade oder Kirsche auf der Sahnehaube verhindert den Abschluss, denn auf Extras oder Luxus lässt sich aus Kundensicht eben am ehesten verzichten, so die Studienerkenntnis. Um dem entgegenzuwirken, gilt es also, dem Kunden die nachhaltige Lösung als die erste Wahl zu verkaufen. Gerade Privatkunden zeigen sich für Argumente wie Langlebigkeit, einfache Renovierung, unbedenkliche Materialien oder „made in Europe“ offen. Die öffentliche Hand hingegen ist für geringe Unterhaltskosten, schnellen Austausch oder Reparaturfreundlichkeit empfänglich und Investoren im Objekt reizt das Erreichen von nachhaltigen Gebäudezertifizierungen.

Schon 2023 zeigte die Heinze-Handwerkerstudie zu Nachhaltigkeit und Digitalisierung, dass bei den Befragten – zu denen auch Maler gehörten – ein zunehmendes Interesse ihrer Kunden an nachhaltigen Produkten besteht. Auch wurde deutlich, dass sich das Handwerk konkretere Nachweise der Nachhaltigkeit sowie überzeugendere Verkaufsargumente wünscht. (Grafik: Heinze)
OFFENE UND EHRLICHE KOMMUNIKATION
Dieser Paradigmenwechsel, nicht das Billigste, sondern das Beste anzubieten, ist im Handwerk vielerorts bereits vollzogen. Dazu gehört selbstverständlich auch eine offene und ehrliche Kommunikation mit dem Kunden über Möglichkeiten und Grenzen der eingesetzten Produkte und der handwerklichen Leistung. Denn als letztes Glied in der Vertriebskette steht der Handwerker in der Verantwortung gegenüber seinem Kunden, zugesicherte Eigenschaften auch einzuhalten. Bei normierten „Fähigkeiten“ wie der Stuhlrolleneignung eines Bodenbelags oder der Scheuerbeständigkeit eines Möbelstoffs ist die Nachweisführung noch relativ leicht. Wie sieht es aber aus, wenn die „CO₂-neutrale Fertigung“ eines Produkts, der „Einsatz recycelter Materialien“ oder die „Kreislauffähigkeit“ belegt werden müssen? Hier sollen neue gesetzliche Vorgaben dafür sorgen, dass die Kommunikation zwischen Hersteller und Konsumenten sowie zwischen Hersteller und Händler/Handwerker ehrlicher wird und eben auch weiche Faktoren wie die Werbung mit Nachhaltigkeit belegbar sein müssen (siehe Kasten). In der Folge wird es eben auch Ihnen leichter fallen, nachhaltige Produkte und Arbeitsweisen gegenüber Ihrem Kunden zu argumentieren und Ihr Angebotsspektrum dahingehend zu optimieren.
