Farbstarkes, pulsierendes Hauptstadtleben durch einen sanften Filter betrachtet: Mit diesem Twist und vielen raffinierten Details inszeniert Fabian Freytag eine Altbauwohnung in Berlin. Entdecken Sie hier die Kunstgriffe des Interior-Designers.

Ein Raum als Sofa: Das gepolsterte Einbaumöbel bietet Platz für Geselligkeit wie für Entspannung. In der Mitte ein Couchtisch, der dank integriertem Flaschenkühler die Funktion der Bar gleich mit übernimmt. Inbetweens mit Gitterstruktur schirmen unerwünschte Aus- und Einblicke ab und filtern das Licht. (Fotos: Ragnar Schmuck)
„In unserem Business geht es eigentlich darum, eine Regel anzunehmen und zu überprüfen, ob sie in jedem Teil passt“, fasst Fabian Freytag seine Vorgehensweise beim Gestalten zusammen. „Hero Mood“, Zieldefinition, jeweils illustriert mit einer Collage, einer Handzeichnung oder einfach einem Urlaubsfoto, und das Motto sind die ersten Seiten einer Projektmappe, die im Studio für jeden Kunden angelegt und an der entlang mit einem Materialboard streng gearbeitet wird.

Aus dem Lärm der Stadt in die ganz eigene Atmosphäre der Wohnung: Der baldachinartige Deckenbehang wirkt wie ein Filter. Das Flurmöbel selbst spielt mit dem starken Farbbruch und dem Motiv gekappter Ecken, die sowohl im Stoffdessin als auch im Spiegelrahmen variieren. (Handwerks-)Kunst und Funktion vereint der angefertigte Griff, der in der Küche und im Gästezimmer wiederkehrt. Die kühne Kombination unterschiedlicher Muster im Flur ist wegweisend für die übrigen Räume des Apartments.
„Der Prozess des Designs ist dann recht starr und muss der angenommenen Regel folgen“, erläutert Freytag. Begonnen wird mit der Ausarbeitung der Basis, der Wände und, ganz entscheidend für den Designer, mit den Stoffen. Dann erst werden Möbel ergänzt. Für das Berliner Pied-à-terre eines Unternehmers in Charlottenburg galt es, eine ruhige, abgestimmte Hülle zu kreieren und diese mit vor die Wand Gebautem oder Gestelltem zu brechen.

Jeder Raum ein eigener Kosmos, das Ganze eine Einheit: An der Flucht der Räume wird die zugrundeliegende Einrichtungsregel ablesbar – vor der dezenten Hülle steht jeweils eine Farbe im Mittelpunkt. Im Essraum fungiert der blaue Tisch als Statement, gepolsterte Stühle fügen Komfort und in Orange komplementären Kontrast hinzu.
„Krasse Farbe“ überschreibt Fabian Freytag den Bruch, der hier Raum für Raum stringent zur Anwendung kommt, denn: Farbe musste sein! Der Interior Designer begreift die Wohnung als in sich geschlossenes Set und schwört auf Filter, hier in Form von Inbetweens an den Fenstern und Stoffen als Wand- und Deckenverkleidungen im Entrée und Schlafzimmer, die das Draußen außen vor lassen. Die Inbetweens lassen zwar Tageslicht und Sonnenstrahlen durch ihre Gitterstruktur einfallen, schirmen aber gleichzeitig ab, ebenso wie die Wand- und Deckenverkleidungen die Geräusche filtern, aber gleichzeitig einladend und opulent wirken.

Wie viele Elemente der Wohnung wurde auch das Schlafzimmer, in dem Stoffe eine Hauptrolle spielen, in enger Zusammenarbeit mit Raumausstatter und Schreiner realisiert. Wand- und Deckenverkleidung beeindrucken mit textiler Opulenz und setzen zusammen mit Bett und Polster die für das Projekt definierte Designregel um.
Auf dieser Wohnbühne inszeniert Freytag einen Möbel-Mix aus verschiedenen Epochen und setzt außerdem auf maßgefertigte Einbaumöbel, für die er generell eine starke Vorliebe hat. Sie sind für ihn Mini-Architekturen, die Gegebenheiten kompensieren: Etwas, das kein Möbel von der Stange leisten kann. „In diesem Projekt haben wir vieles ideal realisieren können, wie das Thema Vintage stark zu spielen, auch in der Verzahnung mit neuen Möbeln“, resümiert Fabian Freytag. „Ich würde es deswegen auch ein typisches ,Fabian Freytag-Projekt‘ nennen, weil ich die Verbindung mit Vintage-Stücken einfach sehr cool finde, wie etwa die Art déco-Leuchte am eigens angefertigten Möbel im Flur.“ Der Designer kuratierte und kaufte die Vintage-Möbel ebenfalls komplett für das Apartment. Wie bei der gesamten Kreation seines Interiors Designs kommt es auch hier darauf an, den Kunden genau lesen zu können und seine Gefühle und Wünsche in eine persönliche Atmosphäre zu übersetzen.

Vintage-Möbel kuratiert Fabian Freytag für jedes Projekt ganz individuell.
