Rund 160 Teilnehmer kamen Anfang Mai zur Tagung des Deutschen Ladenbau Verbands (DLV) nach Hamburg. Im Mittelpunkt: die Zukunft des stationären Handels, die Herausforderungen der Branche und die Rolle des Ladenbaus für lebendige Innenstädte.

In einer aktuellen Umfrage bewerten 54 Prozent der Mitglieder des Deutschen Ladenbau Verbands (DLV) die EuroShop als relevant oder sehr relevant für ihr Geschäft. Dies ist nur ein Ergebnis der monatlichen DLV-Umfrage zur aktuellen Lage im Ladenbau. (Foto: Euroshop)
Das Geschäftsjahr verläuft schwierig. Der Rückenwind aus 2025 hat nachgelassen. Der Nahostkrieg zeigt spürbare Folgen: hohe Transportkosten, beginnende Lieferengpässe, verschobene Projekte, stagnierende Investitionen und verunsicherte Konsumenten. Zugleich agieren Kunden kurzfristiger und fordern mehr Flexibilität und Geschwindigkeit – so das Fazit einer aktuellen Standortbestimmung auf der DLV-Tagung in Hamburg.

„Warten ist keine Option – die Zukunft ist jetzt“, betonte DLV-Präsident Carsten Schemberg. (Foto: DLV)
Branche setzt auf Investition und Vernetzung
Die Ladenbauer reagieren. „Warten ist keine Option – die Zukunft ist jetzt“, betonte DLV-Präsident Carsten Schemberg. Norbert Schmees (Norbert Schmees Ladenbau, Lathen) nannte Digitalisierung, Automatisierung und tiefe Branchenkenntnisse als Schlüsselfaktoren. Dr. Adrian Loinger (Egger Holzwerkstoffe, Brilon) ergänzte: „Investiert wird in schlechten Zeiten, geerntet in guten.“ Claus Saumweber (Bohnacker Ladeneinrichtungen, Blaubeuren) hob die Bedeutung starker Partnernetzwerke hervor. Auch in der Schweiz sei die Lage angespannt, berichtete Michael Hüni (Rolf Hüni, Dübendorf/Schweiz), Vorstandsmitglied beim Schweizer Ladenbau-Verband.

Menschen suchten wieder analoge Erlebnisse, reale Stores und lokale Communities.“ (Foto: DLV)
Aufbruch für den stationären Handel
Optimismus prägte die Fachvorträge. Jakob Ledermann (Philoneos) machte deutlich, dass Künstliche Intelligenz künftig alle Lebens- und Geschäftsbereiche durchdringen werde – und zog daraus einen überraschenden Schluss: „Umso mehr wird Nostalgie zum emotionalen Grundnahrungsmittel.“ Wutao Wen vom Rheingold Institut zeigte am Beispiel des chinesischen Marktes, dass der rein digital gesteuerte Handel dort seinen Kipppunkt erreicht habe: Menschen suchten wieder analoge Erlebnisse, reale Stores und lokale Communities. Professorin Sabine Krieg (Hochschule Düsseldorf) appellierte leidenschaftlich, die „Kannibalisierung der Innenstädte“ zu stoppen. Der Ladenbau könne hier eine tragende Rolle spielen.
Vielfalt als Erfolgsfaktor
Ein emotionaler Höhepunkt war der Abschlussvortrag von Yared Dibaba. Er leitete – in perfektem Platt – zu seinem zentralen Anliegen über: „Schaffen Sie in Ihrem Unternehmen eine Kultur der Vielfalt, verhindern Sie Diskriminierung und ermöglichen Sie, dass jeder sein volles Potenzial entfaltet. Das könnte der Schlüssel zum Erfolg sein.“ Die Botschaft aus Hamburg: Trotz Gegenwind blickt die Branche nach vorn. Wichtig sind in diesen Zeiten interne Investitionen, gute Partnerschaften und der Glaube an den stationären Handel.
Die nächste DLV-Ladenbautagung findet am 29. und 30. April 2027 in Freiburg statt. Geplant ist ein Besuch beim Mitgliedsunternehmen Kramer in Umkirch.
