Die jährliche Konjunkturbefragung des Bundesverbandes Farbe Gestaltung Bautenschutz (BV_Farbe), die zusammen mit dem Meinungsforschungsinstitut Forsa durchgeführt wurde, zeigt, dass insbesondere ein schwaches Privatkundengeschäft die Auftragslage der vertretenden Betriebe belaste.

Unter anderem belastet ein schwaches Privatkundengeschäft die Auftragslage im Maler- und Lackiererhandwerk. (Foto: Pexels/Polina Tankilevitch)
Die wirtschaftliche Lage im deutschen Maler- und Lackiererhandwerk bleibt angespannt. Neben hohen Kostensteigerungen dämpfen Auftragsrückgänge im Privatkundengeschäft die Umsatzerwartungen der Branche. Während die Umsatzentwicklung des zweiten Halbjahrs 2025 noch von 41 Prozent der 800 befragten Maler- und Lackierbetriebe positiv gesehen wurde, liegt dieser Anteil für 2026 nur noch bei rund 30 Prozent. Zeitgleich stieg die Zahl der Betriebe mit negativen Umsatz- und Ertragserwartungen zwischen elf und 13 Prozentpunkte. Diese Entwicklung spiegelt sich auch im Auftragsvorlauf wider. Seit 2024 bewegt sich das Zeitpolster in den Auftragsbüchern auf einem konstant niedrigen Niveau von rund elf Wochen. Im Vergleich: 2023 betrug dieser noch 14,3 Wochen.

(Grafik: BV-Farbe/Forsa)
Als Hauptgrund für die negativen Zukunftsaussichten geben 74 Prozent der befragten Unternehmerinnen und Unternehmer die schwierige Auftragslage im Privatkundengeschäft an. Mit einem Zuwachs von sieben Prozentpunkten setzt sich das verhaltene Konsum- und Investitionsklima bei Verbrauchern in diesem Jahr an die Spitze der Belastungsfaktoren, gefolgt von steigenden Arbeitskosten mit 73 Prozent. Aber auch die Inflation (53 Prozent) und die wirtschaftlich und politisch schwierigen Rahmenbedingungen (51 Prozent) machen dem Maler- und Lackiererhandwerk weiterhin zu schaffen. Angesichts der globalen Krisen und Konflikte ist es nicht verwunderlich, dass Betriebe im Vergleich zu den Vorjahren erneut besonders deutliche Preissteigerungen von etwa 32 Prozent bei den Kosten für Kraftstoffe sowie ein Plus von 18 Prozent bei den Betriebs- und Energiekosten verzeichnen.

(Grafik: BV-Farbe/Forsa)
Diese konjunkturellen und betriebswirtschaftlichen Herausforderungen treffen inhabergeführte Kleinst- und Kleinbetriebe, die das Maler- und Lackiererhandwerk traditionell ausmachen, besonders hart. Mit einem Anteil von über 71 Prozent dominieren bei Betrieben mit weniger als vier Beschäftigten private Auftraggeber den Kundenstamm. Sinken Einkommen, Kaufkraft und Investitionsbereitschaft der Verbraucher, schlägt sich das unmittelbar in den Auftragsbüchern nieder. So beträgt der durchschnittliche Auftragsvorlauf bei Kleinstbetrieben 2026 nur noch 9,4 Wochen.

(Grafik: BV-Farbe/Forsa)
„Wir merken derzeit eine deutliche Zurückhaltung sowohl bei privaten Auftraggebern als auch der Industrie. Nicht zwingend notwendige Renovierungsmaßnahmen werden zunehmend verschoben“, erklärt Guido Müller, Präsident des Bundesverbandes Farbe Gestaltung Bautenschutz. „Zeitgleich werden wir – in einem sich verschlechternden Konsumklima mit höherer Preissensibilität unserer Kunden – in allen Bereichen mit Kostensteigerungen konfrontiert. Das macht langfristige Planungen und solide Kalkulationen unmöglich und setzt unsere Betriebe unter Druck.“

Guido Müller, Präsident des BV-Farbe: „Was das Handwerk in Deutschland jetzt braucht, sind durchdachte strukturelle Reformen und wirtschaftspolitische Stabilität.“ (Foto: BV-Farbe)
